Die Konsumenten werden zur Kasse gebeten!

Am 23. September stimmt das Schweizer Stimmvolk über die Initiativen «Fair-Food» und «Für Ernährungssouveränität» ab. Cornelia Kunz, Vize-Präsidentin der FDP Wil, erklärt uns im Interview, welche gravierenden Auswirkungen die Annahme der beiden Initiativen auf die Konsumentinnen und Konsumenten hätte.

Cornelia Kunz, kommen wir direkt auf den Punkt, warum sind Sie gegen die Initiativen? Sind Sie gegen fair produzierte Produkte und Nachhaltigkeit?

Selbstverständlich bin ich nicht gegen fair produzierte Produkte und finde, dass nachhaltig produzierte Produkte zu unterstützen sind. Die Schweiz setzt sich aber bereits heute stark für einen hohen ökologischen Standard sowie gute Arbeitsbedingungen ein. Ausserdem gibt es aktuell schon viele verlässliche internationale Standards und Labels, dank derer sich die Konsumentinnen und Konsumenten für nachhaltige und fair produzierte Produkte entscheiden können. Die beiden Agrar-Initiativen gehen eindeutig zu weit, denn sie wollen ausländischen Produzenten Schweizer Gesetze aufzwingen. Stellen Sie sich vor, Kolumbien würde plötzlich von der Schweiz verlangen, seine Gesetze zu übernehmen. Eine absurde Vorstellung, die wir Schweizer niemals akzeptieren würden. Kommt hinzu, dass die Durchsetzung unserer Gesetze einen riesigen staatlichen Kontrollapparat verlangen würde. Dieses Bürokratiemonster müsste letztendlich von den Konsumentinnen und Konsumenten bezahlt werden.

In welcher Form würden dies die Konsumentinnen und Konsumenten bezahlen? Die bereits bestehenden Zollkontrollen werden auch nicht von den Konsumenten bezahlt.

Ein solch staatlicher Kontrollapparat könnte unmöglich mit den heute verfügbaren Steuergeldern finanziert werden. In der Folge würden die Lebensmittelpreise massiv ansteigen. Bereits heute bezahlen Schweizerinnen und Schweizer beinahe 70 Prozent mehr für ihr Essen als ihre Nachbarn in der EU. Für Familien mit einem eher geringen Einkommen kann dies in einer Katastrophe enden. Viele hart arbeitende Familien könnten es sich schlicht nicht mehr leisten, ihren täglichen Bedarf an Lebensmitteln zu decken.

Neben den steigenden Preisen, hätte die Annahme der Agrar-Initiativen noch weitere Auswirkungen?

Eine weitere unweigerliche Konsequenz wäre die Einschränkung der Wahlfreiheit. Heute kann jeder Konsument, jede Konsumentin in den Laden gehen und je nach Budget und Vorlieben kaufen, was er oder sie möchte. Die Initiativen wollen jedoch den Import und den Verkauf von Produkten verbieten, die nicht zu 100 Prozent den Schweizer Regeln entsprechen. Die Schweiz importiert rund 50 Prozent aller Lebensmittel. Wenn plötzlich viele der im Ausland ansässigen Produzenten sich aufgrund der absurden Gesetzeslage entscheiden, nicht mehr in die Schweiz zu liefern, hätte dies massive Auswirkungen auf Supermärkte und Gastrobetriebe. Es ist zu erwarten, dass bei einer Annahme der Initiativen viele Produkte schlicht verschwinden.

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